fRsi-Berechnung: Schimmelrisiko an Wärmebrücken belastbar bewerten

Der Temperaturfaktor fRsi ist das Frühwarnsystem gegen Schimmel: Er sagt – bevor gebaut oder gedämmt wird – ob die innere Oberfläche eines Anschlussdetails warm genug bleibt. Liegt er unter Norm-Randbedingungen unter 0,70, ist zunächst das Detail konstruktiv zu verbessern – Heizen und Lüften beeinflussen das reale Risiko, ersetzen aber keinen baulichen Mindestwärmeschutz.

Was der Temperaturfaktor aussagt

fRsi setzt die kälteste innere Oberflächentemperatur θsi,min eines Details ins Verhältnis zur Temperaturdifferenz zwischen innen und außen:

fRsi = (θsi,min − θe) / (θi − θe)

Der Wert ist dimensionslos und beschreibt das Detail selbst, unabhängig vom konkreten Wetter: fRsi = 1 hieße „Oberfläche so warm wie die Raumluft“, fRsi = 0 „so kalt wie außen“. DIN 4108-2 fordert für den Mindestwärmeschutz fRsi ≥ 0,70 – bei den Norm-Randbedingungen (+20 °C innen, −5 °C außen, 50 % Raumluftfeuchte) entspricht das einer Oberflächentemperatur von mindestens 12,6 °C. Unterhalb dieser Schwelle überschreitet die Luftfeuchte direkt an der Oberfläche 80 % – die Wachstumsbedingung für Schimmel, lange bevor Tauwasser sichtbar wird.

Berechnet wird θsi,min aus dem 2D-Temperaturfeld des Details nach DIN EN ISO 10211 – mit dem erhöhten inneren Übergangswiderstand Rsi = 0,25 m²K/W, der Möblierung und ruhende Luftschichten an der Wand abbildet. Es ist derselbe Rechenlauf, der auch den Ψ-Wert liefert.

Hinweis zum Normenstand: Der öffentlich-rechtliche Mindestwärmeschutz ist im GEG über die DIN 4108-2:2013-02 verankert; fachlich ist daneben die aktuelle Ausgabe DIN 4108-2:2026-05 zu beachten. Die Anforderung fRsi ≥ 0,70 an Wärmebrücken und die Berechnung der Oberflächentemperaturen nach DIN EN ISO 10211 bleiben dabei der Maßstab.

Wo es typischerweise kritisch wird

  • Balkonplatten ohne thermische Trennung – der Klassiker: durchlaufender Stahlbeton als Kühlrippe, innen kalte Deckenränder.
  • Fensterlaibungen und Rollladenkästen, besonders nach Fenstertausch im ungedämmten Bestand: Das neue, dichte Fenster verschiebt den Taupunkt in die Laibung.
  • Geometrische Wärmebrücken: Außenwandecken, auskragende Erker, Attiken – viel kalte Außenfläche trifft wenig warme Innenfläche.
  • Sockel- und Kellerdeckenanschlüsse mit durchlaufendem Mauerwerk.
  • Innendämmung: Die Wand hinter der Dämmung wird kälter; an einbindenden Decken und Innenwänden entstehen neue, vorher unkritische Wärmebrücken – hier ist die Detailprüfung Pflicht, nicht Kür.
Auf der Startseite läuft genau diese Bewertung als interaktive Simulation: ein Balkonanschluss, dessen θsi,min und fRsi live berechnet werden – schalten Sie die thermische Trennung zu und sehen Sie das Detail die 0,70-Grenze überspringen.

Innendämmung, Denkmal, Bestand: wenn Pauschalwerte nicht mehr tragen

Bei Sanierungen mit Innendämmung oder im Baudenkmal versagen Katalog- und Pauschalwerte regelmäßig, weil Bestandskonstruktionen nicht den Musterdetails entsprechen: unbekannte Wandaufbauten, einbindende Holzbalkendecken, gemischtes Mauerwerk. Hier wird mit den tatsächlichen (ggf. vor Ort erkundeten) Aufbauten gerechnet und das Ergebnis in konkrete Konstruktionsempfehlungen übersetzt – Flankendämmlängen, Dämmkeile, Materialwahl. Das Honorar für diese Prüfung ist fast immer kleiner als ein einziger späterer Schimmelschaden samt Gutachten und Sanierung.

Einordnung

Wärmebrückenberechnung, Glaser-Verfahren oder hygrothermische Simulation?

Drei Werkzeuge, drei verschiedene Fragen – sie ersetzen einander nicht, sie ergänzen sich. Wer sie verwechselt, weist am Ende das Falsche nach.

Wärmebrückenberechnung

DIN EN ISO 10211 · stationär · 2D/3D

Frage: Wie kalt wird die Innenoberfläche am Anschlussdetail, und wie viel Wärme verliert es zusätzlich? Liefert Ψ-Wert, θsi,min und fRsi.

Grenzen: Reine Wärmeleitung – Feuchte wird nur indirekt über das Oberflächentemperatur-Kriterium bewertet. Über Tauwasser im Inneren des Bauteils und über zeitliche Effekte (Baufeuchte, Trocknung) sagt sie nichts.

Glaser-Verfahren

DIN 4108-3 · stationäres Blockklima · 1D

Frage: Fällt im ungestörten Bauteilquerschnitt durch Dampfdiffusion Tauwasser an – und trocknet es in der Verdunstungsperiode wieder aus („Rücktrocknung“)? Bewertet wird die Tauwassermenge gegen Grenzwerte (allgemein 1,0 kg/m², an kapillar nicht aufnahmefähigen Schichtgrenzen 0,5 kg/m²; bei Holz und Holzwerkstoffen Grenzen der zulässigen Feuchtezunahme).

Grenzen: Eindimensional – Wärmebrücken sieht Glaser prinzipbedingt nicht. Nur Dampfdiffusion: keine Kapillarleitung, keine Feuchtespeicherung, kein Schlagregen, keine Bau-/Anfangsfeuchte. Praktisch: Für viele Standardaufbauten ist gar kein Nachweis nötig; bei Innendämmung, Denkmal oder unbelüfteten Holzkonstruktionen ist Glaser oft nicht anwendbar oder führt zu Fehlschlüssen – mal zu streng, mal trügerisch günstig.

Hygrothermische Simulation

DIN EN 15026 / WTA 6-2 · instationär · reale Klimadaten

Frage: Wie entwickeln sich Temperatur und Feuchte im Bauteil über Monate und Jahre? Gekoppelter Wärme- und Feuchtetransport inklusive Kapillarleitung, Sorption, Schlagregen, Strahlung und Austrocknung von Baufeuchte – bewertet über Holzfeuchte, Wassergehalt und Schimmelkriterien.

Grenzen: Das Ergebnis ist nur so gut wie Materialkennwerte und gewählte Klima-/Nutzungsrandbedingungen; die Interpretation braucht Erfahrung. Aufwand und Kosten liegen deutlich über Glaser; gekoppelte 2D-Betrachtungen (Detail plus Feuchte) sind Spezialfälle.

Praxis-Einordnung: Die Wärmebrückenberechnung beantwortet die Fragen am Anschlussdetail (Energie über Ψ/ΔUWB, Oberfläche über fRsi). Glaser beantwortet die Tauwasserfrage im Regelquerschnitt – mit Rücktrocknungs-Bilanz, aber blind für Wärmebrücken. Die hygrothermische Simulation übernimmt, wo Glaser nicht (mehr) trägt: Innendämmung im Bestand, Denkmal, Holzbau-Sonderfälle, Konstruktionen, die auf gezielte Rücktrocknung angewiesen sind. Ob Ihr Projekt die dritte Stufe wirklich braucht, klärt die Ersteinschätzung – oft reicht die Kombination aus fRsi-Detailprüfung und Glaser-Nachweis.

fRsi-Nachweis als Einzelleistung

Die fRsi-Prüfung gibt es auch solo – ohne vollständigen Wärmebrückennachweis: für das eine Sorgendetail im Umbau, die Stellungnahme gegenüber dem Bauträger oder die Absicherung einer Innendämm-Planung. Einzelne Details sind kurzfristig und zum Festpreis machbar; was genau gerechnet werden sollte, klärt ein Blick in Ihre Pläne.

Häufige Fragen zur fRsi-Berechnung

Welcher fRsi-Wert ist vorgeschrieben?

DIN 4108-2 fordert für den Mindestwärmeschutz an Wärmebrücken einen Temperaturfaktor von fRsi ≥ 0,70. Bei den Norm-Randbedingungen (innen +20 °C, 50 % rel. Luftfeuchte, außen −5 °C) entspricht das einer minimalen inneren Oberflächentemperatur von 12,6 °C. Darunter kann die oberflächennahe relative Luftfeuchte dauerhaft über etwa 80 % liegen – damit steigt das Schimmelrisiko deutlich, auch ganz ohne sichtbares Tauwasser.

Ist fRsi ≥ 0,70 erfüllt – kann dann trotzdem Schimmel entstehen?

Ja, wenn die realen Bedingungen ungünstiger sind als die Norm-Annahmen: dauerhaft hohe Raumluftfeuchte (Schlafzimmer, Aquarium, Wäschetrocknung), abgesenkte Raumtemperatur oder möblierte Außenwände verschieben die Grenze. Der fRsi-Nachweis bewertet das Bauteil; das Nutzerverhalten kommt hinzu. Bei bekannt kritischer Nutzung wird mit angepassten Randbedingungen gerechnet.

Brauche ich den fRsi-Nachweis zusätzlich zum Ψ-Wert?

Es sind zwei Antworten aus derselben Berechnung: Der Ψ-Wert beziffert den Energieverlust für die Bilanz, der fRsi-Wert das Tauwasser- und Schimmelrisiko für den Mindestwärmeschutz. Ein Detail kann energetisch akzeptabel und trotzdem schimmelkritisch sein – geprüft wird im Zweifel beides, der Mehraufwand ist gering.

Was passiert, wenn ein Detail den Nachweis nicht besteht?

Dann gehört das Detail geändert, nicht das Protokoll. Typische Auswege: thermische Trennung, Dämmkeile oder Laibungsdämmung, Flankendämmung bei Innendämmung, in Sonderfällen eine temperierte Oberfläche. Zum Nachweis gehören auf Wunsch konkrete Optimierungsvorschläge mit Nachrechnung der verbesserten Variante.

Gilt die Anforderung auch im Bestand bzw. bei Sanierung?

Bei wesentlichen Eingriffen in Bestandskonstruktionen – besonders bei Innendämmung – sollte der Mindestwärmeschutz der kritischen Anschlüsse rechnerisch geprüft werden. Je nach Vertrag, Eingriffstiefe und anerkannter Regel der Technik kann der Mindestwärmeschutz auch im Bestand zum Bewertungsmaßstab werden. Die fRsi-Berechnung vorab ist dabei in aller Regel deutlich günstiger als das Schimmelgutachten hinterher.

Ein kritisches Detail prüfen lassen?

Beschreiben Sie das Detail oder schicken Sie Plan und Foto – Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, ob eine fRsi-Berechnung nötig ist, und einen Festpreis für die Prüfung.